Tonwertzunahme Erklärung
Die Tonwertzunahme (TWZ) beschreibt den Effekt, dass sich die Tonwerte einer Druckvorlage im Druck verändern und ein dunkleres Druckbild entsteht. Grund dafür sind die vielen Rasterpunkte, aus denen jedes Druckbild besteht. Sie vergrößern sich durch den Druckvorgang und lassen das Bild somit dunkler wirken.
Die Tonwertzunahme stellt also die Differenz zwischen dem Tonwert einer Druckvorlage und dem Tonwert des Druckerzeugnisses dar. Sie wird in Prozent angegeben.
Neben dem Wort Tonwertzunahme finden auch die bedeutungsgleichen Begriffe Tonwertzuwachs, Punktzuwachs, Punktzunahme, Punktverbreitung und Druckzuwachs Verwendung.
Beispiel einer Tonwertzunahme
Hat ein Farbton im digitalen Bild einen Tonwert von 40 %, so sind 40 % der Fläche im Raster abgedeckt und die übrigen 60 % Fläche bleiben frei. Liegt die Tonwertzunahme nun bei 16 %, beträgt der Tonwert dieses Farbtons in der gedruckten Version folglich 56 %. Dementsprechend bleiben 44 % der Fläche unbedruckt und der Tonwert ist um 16 % dunkler geworden.
Flächendeckung von 40 % in digitaler Datei + 16 % Tonwertzunahme = 56 % Flächendeckung in gedruckter Datei
Ist die Tonwertzunahme ein Fehler im Druck?
Im Prinzip findet bei jeder analogen Übertragung in irgendeiner Form eine Veränderung der Rasterpunkte statt. Bei der Tonwertzunahme handelt es sich also um einen grundsätzlichen Effekt des Druckens, nicht um einen Fehler einzelner Druckverfahren. Je nach Verfahren ist die Tonwertzunahme unterschiedlich stark ausgeprägt.
Tonwertzunahme messen und korrigieren
Anhand von Testdrucken prüfen Druckbetriebe die Höhe der Tonwertzunahme im Herstellungsprozess. Hierbei kommt ein sogenanntes Densitometer zum Einsatz. Messgrundlage zur Bestimmung der Tonwertzunahme mit diesem Gerät ist ein Farbkontrollstreifen (siehe Druckmarken), der auf die Druckbogen gedruckt wird. Die Messwerte werden in eine Druckkennlinie abgeleitet. Diese zeigt die Tonwertzunahme grafisch in einem Diagramm mit Soll- und Ist-Tonwert an, wird aber auch in Tabellenform zur Berechnung der sogenannten Tonwertkorrektur genutzt. Die Druckkennlinie findet oft im RIP oder Farbmanagementsystem Verwendung oder kann in ICC-Profilen enthalten sein. Ihre Werte stellen eine wichtige Basis für die Tonwertkorrektur dar. Die Tonwertkorrektur dient dazu, Tonwerte in der digitalen Druckdatei anzupassen, beispielsweise in der Druckvorstufe. So können Druckfachleute die Wirkung der Raster in der gedruckten Version beeinflussen und letztendlich den gewünschten Tonwert im Druckerzeugnis erzielen.
Die internationale Norm für den Offsetdruck ISO 12647-2 definiert für die Tonwertzunahme der Mitteltöne eine Toleranz von +/-4 %. Der Wert der Druckfarben Cyan, Magenta und Gelb sollte sich demnach nicht unterscheiden und die Tonwertzunahme von Schwarz etwa 3 % mehr als die der bunten Farben betragen.
Was beeinflusst die Tonwertzunahme?
Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Tonwertzunahme beeinflussen. Wichtig sind folgende:
Druckverfahren
Beim Offsetdruck sowie beim Flexodruck fällt die Tonwertzunahme beziehungsweise der Punktzuwachs meist hoch aus, wohingegen dieser Effekt beim Tiefdruck eher geringe Ausmaße hat. Im Offsetdruck beläuft sich die Zunahme des Tonwerts auf etwa 10 bis 20 %. Mögliche Gründe für einen veränderten Tonwert können bei dieser Drucktechnik Änderungen der Druckkraft oder am Gummituch sein.
Druckfarbe
Bei vielen Druckverfahren hängt die Tonwertzunahme von der Druckfarbe ab, etwa von deren Viskosität.
Bedruckstoff
Die Beschaffenheit des Bedruckstoffs spielt eine große Rolle, genauer gesagt dessen Oberfläche und Struktur. Auf einem saugstarken Papier verläuft die Farbe der aufgedruckten Rasterpunkte beispielsweise intensiver als auf einem gestrichenen Papier, wodurch die Rasterpunkte an Größe gewinnen.
Raster
Ebenfalls wirken sich das verwendete Raster inklusive Rasterpunktform und Rasterweite auf die Dunkelheit des Druckbildes aus.
Zusammenfassung: Tonwertzunahme kurz erklärt
- Die Tonwertzunahme beschreibt die verfahrensbedingte Abdunkelung eines Bildes im Druck durch vergrößerte Rasterpunkte.
- Sie stellt die Differenz zwischen dem Tonwert der Druckvorlage (digital) und dem gedruckten Ergebnis (auf Papier) dar.
- Tonwertzunahme ist ein normaler Effekt sämtlicher Druckverfahren mit verschiedenen Ausmaßen und kein Produktionsfehler
- Die Zunahme des Tonwerts kann gemessen, grafisch dargestellt und per Tonwertkorrektur gezielt ausgeglichen werden.
- Einflussfaktoren einer Tonwertzunahme sind u. a. Druckverfahren, Druckfarbe, Bedruckstoff und Rasterung