Kupferstich: Technik und Bedeutung im Druck
Der Kupferstich ist ein grafisches Druckverfahren, welches auf der Technik des Tiefdrucks basiert. Dabei gravieren Kupferstecherinnen und Kupferstecher Linien und Motive mit einem Grabstichel seitenverkehrt in eine Kupferplatte. In diesen Linien und Vertiefungen sammelt sich die Farbe beim Farbauftrag. Eine Presse überträgt die eingefärbte Platte und somit das Motiv unter hohem Druck auf Papier. Diese Technik ermöglicht sehr detaillierte und feine Druckbilder.
Der Kupferstich gilt als ältestes Tiefdruckverfahren und nahm im 15. Jahrhundert zur Reproduktion und Vervielfältigung von Bildern und Buchillustrationen seinen Anfang. Abzüge von der originalen Druckplatte gelten als Originale, weil die Kupferplatte das eigentliche künstlerische Werk ist und das Druckverfahren Teil der Herstellung.
Wie funktioniert der Kupferstich?
Beim Kupferstich handelt es sich um ein spanabhebendes Verfahren, es entfernt also Kupferspäne. Der Kupferstich geht in folgenden Schritten vonstatten:
- Zuerst schleift und poliert die Kupferstecherin oder der Kupferstecher eine Kupferplatte (1 bis 3 mm stark).
- Anschließend überträgt sie oder er eine Vorzeichnung des Motivs von Papier auf die glatte Plattenfläche.
- Das Fachpersonal graviert die vorgezeichneten Linien mittels Grabstichel in das Kupfer.
- Dann wird die Druckplatte aus Kupfer erhitzt und die Kupferdruckerin oder der Kupferdrucker trägt darauf die Druckfarbe auf. Durch die Erwärmung sammelt sich die Farbe in den gravierten Linien und Vertiefungen und füllt auch feinste Linien. Die erhabenen Stellen der Platte bleiben farbfrei.
- Die Fachkraft wischt die überschüssige Farbe auf der Oberfläche der Platte sauber ab.
Die Kupferdruckerin bzw. der Kupferdrucker legt angefeuchtetes Papier auf und druckt den Abzug mittels einer Walzenpresse. Das Papier nimmt die Farbe aus den vertieften Flächen der Platte auf und das Druckbild entsteht.
Eigenschaften und Besonderheiten des Kupferstichs
Über typische Merkmale des Tiefdrucks hinaus hat der Kupferstich folgende Eigenschaften und Besonderheiten, die bei seiner Erkennung helfen:
- Tiefdruckverfahren mit sehr detailreicher Darstellung des Druckmotivs
- feine Striche mit glatten Rändern und keine Verschattungen, was zu einem sehr glatten Gesamteindruck mit wenig zufälliger Textur führt
- kann Tonabstufungen mit Schraffuren oder Schabkunst (Mezzotinto) erzeugen; Beispiele von Schraffuren: eine einfache Schraffur hat parallele Linien in eine Richtung, bei einer Kreuzschraffur verlaufen mehrere Lagen in verschiedene Richtungen und kreuzen sich (mehr Lagen = dunkler)
- Plattenrand (oftmals): leichter Abdruck vom Rand der Druckplatte im Papier durch hohen Druck der Presse
- schwarz-weißer bzw. monochromer Ursprung, Drucke oftmals auch nachträglich in Handarbeit koloriert
Kupferstich Einsatz damals und heute
Im frühen 15. Jahrhundert entwickelte sich der Kupferstich aus dem Handwerk der Goldschmiedinnen und Goldschmiede. Bis ins 18. Jahrhundert nutzten Verlage und Werkstätten diese Technik zur Vervielfältigung von Illustrationen für Bücher, Bildern und Karten. Zudem war der Kupferstich ein probates Mittel, um Kunstwerke wie Skulpturen (in Form von Bildern) oder Gemälde zu reproduzieren und zu verbreiten. Namhafte Künstlerinnen und Künstler bildeten damit oftmals im Auftrag Porträts, Städte oder Landsitze ab und etablierten den Kupferstich zu einer eigenständigen Kunstform. Albrecht Dürer hat die Technik des Kupferstichs handwerklich wie künstlerisch perfektioniert und historisch geprägt.
Ab etwa 1820 löste der wirtschaftlich vorteilhaftere Stahlstich den Kupferstich als bedeutsamste Reproduktionstechnik ab. Kupfer ist weicher und weniger beständig, weswegen davon mehrere Druckplatten für höhere Auflagen benötigt wurden. Heute findet der Kupferstich noch in der Kunst für kleine Auflagen Verwendung – frühe Abzüge oder seltene Varianten einer Druckplatte sind begehrte Sammlerstücke. Für Anwendungen wie das Postkarten Drucken greifen Druckereien überwiegend auf modernere Verfahren zurück.
Kupferstich, Stahlstich, Radierung – was ist der Unterschied?
Kupferstich, Stahlstich und Radierung sind alles Tiefdruckverfahren. Gerade der Kupferstich und der Stahlstich sind sich optisch sehr ähnlich, da sie scharf begrenzte Linien haben. Insgesamt wirkt deren Strichführung ruhiger und gleichmäßiger und hat weniger handschriftlich-skizzenhaften Charakter als die Radierung. Alle drei Methoden unterscheiden sich in einigen Hinsichten:
| Merkmal | Kupferstich | Stahlstich | Radierung |
| Material der Druckplatte | Kupfer (etwas weicher als Stahl) | Stahl (sehr hart) | meist Zink oder Kupfer (variabel) |
| Herstellung der Linien | mit Stichel graviert/gestochen | mit Stichel graviert/gestochen | Platte erhält säurefeste Schutzschicht, Radiernadel kratzt diese weg |
| Optik der Linien im Abzug | kontrolliert, sehr scharf; geordnete Schraffur | sehr scharf, oft sehr fein und glatt | eher zeichnerisch; Linie oft etwas weicher/unruhiger |
| Langlebigkeit der Druckplatte | gering–mittel: Linien verlieren schneller an Schärfe | hoch: viele Abzüge mit gleichbleibender Schärfe möglich | mittel: je nach Material und Ätzstärke |
| Blütezeit/Verwendung | 15.–18. Jh.; Kunst, Karten, Bücher | 19. Jh.; Buchillustration/Reproduktionsgrafik | ab 16. Jh. bis heute; Illustrationen, freie Druckgrafiken |
Häufige Fragen zum Kupferstich
Ist der Kupferstich ein Tiefdruck?
Ja. Auch bei Stahlstichen und Radierungen handelt es sich um Tiefdrucke.
Woran lässt sich ein echter Kupferstich erkennen?
Ein echter Kupferstich weist sehr feine, scharf begrenzte Schraffurlinien auf und hat oftmals einen Plattenrand. Rasterpunkte wie im Offsetdruck oder Holzmaserungen fehlen. Lupe, Streiflicht und Angaben im Werkverzeichnis sichern die Zuordnung ab.
Findet der Kupferstich heute noch Anwendung?
Ja. Kunstschaffende nutzen den Kupferstich auch heute noch, insbesondere in der freien Druckgrafik und in spezialisierten Werkstätten.
Zusammenfassung zum Kupferstich
- Kupferstich ist ein Tiefdruck: Grabstichel graviert seitenverkehrt Linien in eine Kupferplatte.
- Druckfarbe füllt gravierte Vertiefungen in der Druckplatte. Walzenpresse druckt auf angefeuchtetes Papier.
- Anfänge des Kupferstichs im 15. Jh., damalige Verwendung für Bücher, Karten und Reproduktionen
- heutige Nutzung für künstlerische Einsatzzwecke – allgemein Druckergebnisse mit sehr hoher Detailgenauigkeit
- Erkennungshilfen: feine scharfe Linien, oft Plattenrand; kein Raster, keine Holzmaserung