Was sind Farbkontraste?
Es gibt einfache Anhaltspunkte, dank derer Sie einen Farbkontrast und dessen Intensität bestimmen können. Wenn sich zwei oder mehr Farben in Helligkeit, Farbton oder Sättigung deutlich voneinander unterscheiden, liegt ein Farbkontrast vor. Je auffälliger der Unterschied, desto stärker der Farbkontrast.
Kontraste sind nicht nur in der Kunst wichtig. Auch im Marketing bekennen Unternehmen gezielt Farbe. Logos, Schriftzüge und Bilder, die in gesättigten, kontrastierend bunten Farben gehalten sind, vermitteln Dynamik, Lebensfreude, Kreativität und Energie. Im Gegensatz dazu wirkt neutrales Grau in Kombination mit getrübten Farben eher seriös und beruhigend. Machen Sie sich also mit den verwendeten Farben, Kontrasten und deren Wirkung vertraut, ehe Sie das Corporate Design Ihres Unternehmens gestalten oder Marketingprodukte in Druck geben.
Die sieben Farbkontraste nach Johannes Itten
Der Schweizer Maler und Kunstpädagoge Johannes Itten (1888–1967) hat die Wechselwirkungen von Farbe genauer untersucht und diese über eine Farbtheorie und seinen bekannten Farbkreis definiert. Demnach existieren drei Grund- beziehungsweise Primärfarben: Gelb, Rot und Blau. Mit diesen können die Sekundärfarben Orange, Violett und Grün gemischt werden. Aus den sechs Primär- und Sekundärfarben entstehen schließlich sechs Tertiärfarben: Dunkelgelb, Orangerot, Purpurrot, Blauviolett, Blaugrün und Hellgrün. Anhand dieses Zwölf-Farben-Modells definierte Itten sieben verschiedene Farbkontraste, auf die wir später im Detail eingehen – auch bezüglich Kommunikationsmarketing.

Küppers‘ Kritik

Bildquelle: Harald Küppers (Grafik angepasst)
Ittens Modell wird jedoch auch kritisiert, beispielsweise von Drucktechniker Harald Küppers (1928-2021). Er merkte etwa an, dass Rot, Gelb und Blau aus naturwissenschaftlicher Sicht bereits gemischte Farbtöne sind (Blau zum Beispiel entsteht durch die Mischung von Cyan und Blauviolett) und dass Weiß und Schwarz ebenfalls Teil des Farbkreises sein sollten. Itten hingegen bezeichnete Weiß und Schwarz als „Nichtfarben“.
Küppers entwickelte einen neuen Farbkreis. Die Hauptunterschiede zu Ittens Theorie bestehen in der Erweiterung durch Schwarz und Weiß sowie in einer Neubesetzung der Grundfarben: Neben Gelb, Rot und Blau sind bei ihm auch Magenta, Grün und Cyan sowie Schwarz und Weiß als Grundfarben definiert.
Farbe-an-sich-Kontrast
Beim Farbe-an-sich-Kontrast, Bunt- oder Farbnuancenkontrast nach Johannes Itten handelt es sich um eine Kombination aus mindestens drei verschiedenen Farben, die auf dem Farbkreis möglichst weit auseinanderliegen sollten, wenn Sie damit für Ihre Marketingmaßnahmen einen starken Farbkontrast erzielen möchten. Am besten eignen sich Ittens Grundfarben Gelb, Rot und Blau, aber auch Sekundärfarben wie Grün können Sie einsetzen. Je reiner die Farbe, desto intensiver die Farbwirkung.

In der Kunst sind die Gemälde von Kandinsky anschauliche Vertreter für diesen Kontrasttyp. Im gewerblichen Bereich findet man den Farbe-an-sich-Kontrast in Grafiken, auf Signal- und Warnschildern und im Corporate Design von Unternehmen wieder, die sich meist ein fröhlich angehauchtes, junges Erscheinungsbild für Ihr Marketing wünschen. Der Google-Schriftzug in Blau-Rot-Gelb-Grün ist ein bekanntes Beispiel.

Komplementärkontrast

Ein Komplementärkontrast oder Gegenfarbenkontrast liegt laut Itten vor, wenn zwei Farben verwendet werden, die sich im Farbkreis gegenüberliegen. Nach Itten ist die Komplementärfarbe von Gelb beispielsweise Violett, nach Küppers ist es die Farbe Blau.
Der Blau-Gelb-Kontrast ist gerne auf Nationalflaggen zu finden oder wird im Marketing als Schriftzug und Logo eingesetzt, denn er fällt ins Auge und erregt Aufmerksamkeit, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Gestalten Sie Ihre Kommunikationsträger mit anderen komplementären Farben, sollten Sie darauf achten, dass die Wirkung nicht zu schrill ausfällt. Abhilfe schafft das Abtönen der Farbe. So wirkt der Farbkontrast immer noch spannungsreich, ruft aber keine visuellen Störeffekte hervor. Komplementärkontraste bieten sich an, wenn Sie Elemente besonders hervorheben oder eine emotional aufgeladene Wirkung schaffen möchten.

Hell-Dunkel-Kontrast

Genau genommen ist ein Hell-Dunkel-Kontrast kein Farbkontrast, sondern ein Helligkeitskontrast. Der stärkste Hell-Dunkel-Kontrast wird durch das Zusammenspiel der unbunten Farben Schwarz und Weiß erzeugt. Ob Sie wie Itten Schwarz, Weiß und das Mischerzeugnis Grau als „Nichtfarben“ ansehen, spielt dabei eigentlich keine Rolle.
Wichtig für die grafische Gestaltung ist, dass Sie sich mit der Wirkung von Schwarz und Weiß auskennen. Hell-Dunkel-Kontraste schenken den Eindruck von Räumlichkeit, da sich helle Farben auf einer dunklen Fläche visuell in den Vordergrund spielen. Der niederländische Barockmaler Rembrandt hat sich diesen Effekt in einigen Gemälden zunutze gemacht. In der Schwarz-Weiß-Fotografie spielt er ebenfalls eine große Rolle. Im Marketing ist der Hell-Dunkel-Kontrast auch deshalb von wesentlicher Bedeutung, da er die Lesbarkeit von Texten, Plakaten und Websites deutlich verbessert. Je harmonischer der Hell-Dunkel-Kontrast, desto angenehmer wirkt der Informationsträger in der Regel auf die betrachtende Person. Zahlreiche aufgehellte Farben sind genauso ermüdend fürs Auge wie ein düsterer Einheitsbrei. Dunkle Farben auf hellem oder weißem Hintergrund sind meist immer noch die beste Lösung.

Qualitätskontrast
Unter Qualitätskontrast, auch Sättigungs- oder Intensitätskontrast genannt, versteht Itten die Verwendung einer reinen Farbe mit höchster Leuchtkraft neben einem stumpferen, getrübten Farbton. Letzterer entsteht entweder durch das Beimischen der Komplementärfarbe oder durch die Zugabe von Grau, Schwarz beziehungsweise Weiß, je nachdem, ob sich die gesättigte Farbe von einer hellen oder dunklen Kontrastfarbe abheben soll. Die Wirkung, beispielsweise im Kommunikationsmarketing, lässt nicht auf sich warten: Leuchtende Farben erscheinen so noch strahlender.

Allgemein verwenden Medienschaffende, zum Beispiel im Marketing, sowie Künstlerinnen und Künstler den Qualitätskontrast zur Hervorhebung oder zur Abstufung. Ein Beispiel in der Kunst ist die „Neue Harmonie“ von Paul Klee, in der strahlend bunte Farbfelder neben getrübten Farben und Grau erscheinen. Trotz deutlicher Kontraste entsteht ein beruhigendes, seriös wirkendes Gesamtbild. In der professionellen Design-Gestaltung eignet sich der Qualitätskontrast gut, wenn es im Corporate Design eine einzelne Hauptfarbe gibt – denn umgeben von ungesättigten Farben wirkt diese intensiver. Zudem ergibt sich ein größerer Gestaltungsspielraum für Designerinnen und Designer, wenn sie mehrere abgestufte Farbtöne einer Ausgangsfarbe in Ergänzung zur Hauptfarbe verwenden dürfen.
Bunt-Unbunt-Kontrast

Der Bunt-Unbunt-Kontrast ist eine extreme Form des Qualitätskontrastes, da gesättigte, bunte Farben mit Schwarz, Weiß oder Grau kontrastieren. Im Design-Umfeld für Marketingkampagnen wird dieser Farbkontrast zum Beispiel bei stark leuchtenden Schriftzügen mit schwarzer Umrandung eingesetzt.
Quantitätskontrast
Der Quantitäts-, Proportions-, Mengen- oder Flächenkontrast zeichnet sich durch die Gegenüberstellung verschiedenfarbiger Flächen mit unterschiedlichen Proportionen aus. Nicht nur in Grafiken veranschaulicht dieser Kontrast aus Ittens Farbtheorie sehr wirksam alle dominierenden und im Gegensatz dazu „verloren“ oder „einsam“ erscheinenden Elemente.

Auch in der Kunst, der Fotografie oder zu Werbezwecken im Marketing kann dieser Effekt eingesetzt werden. So lässt Van Gogh in seiner „Sternennacht über der Rhone“ das tiefe Blau der Nacht flächendeckend dominieren, wobei das zarte Licht der einzelnen Sterne einen hoffnungsvollen, sanften Farbkontrast bietet. Im Business-Design erzeugt der Quantitätskontrast häufig ein Gefühl der Spannung und des Ungleichgewichts. In Logos können Sie mit dem Quantitätskontrast beispielsweise einzelne Buchstaben, Worte oder Grafikelemente mehr oder weniger stark betonen.

Kalt-Warm-Kontrast

Den Kalt-Warm-Kontrast, Warm-Kalt-Kontrast oder auch Nah-Fern-Kontrast können Sie optimal im Marketing verwenden, wenn Sie eine Perspektive erzeugen möchten. Warme Farben – also Rot-, Gelb- und Brauntöne – wirken näher im Vordergrund als sogenannte kalte Farben wie Grün- oder Blautöne. Damit das Perspektivenspiel gelingt, sollten Sie auf die Helligkeit achten. Sind die kalten Hintergrundelemente deutlich heller als die warmen Objekte des Vordergrunds, kann sich der optische Effekt mitunter aufheben. Der Kalt-Warm-Kontrast lässt sich anschaulich in Paul Cézannes „Bucht von Marseille“ oder im Mozilla-Firefox-Logo mit deutlichem 3-D-Effekt bewundern.
Simultankontrast
Der Simultankontrast, auch Umfeldkontrast genannt, ist eigentlich kein Farbkontrast. Er beschreibt vielmehr eine optische Täuschung in unserer eigenen Kontrastempfindung. Befindet sich eine Farbe in einer dunklen Umgebung, wirkt sie heller. Ist das Umfeld hell, empfinden wir den Farbton des betrachteten Elements als dunkler. Kalte Farben im direkten Umfeld lassen warme Farben wärmer erscheinen und umgekehrt. Dieser Kontrasttyp wird hauptsächlich in der Kunst bewusst verwendet. Im Unternehmensdesign ist er weniger von Bedeutung. Es reicht aus, zu wissen, dass die umliegenden, anderen Farben auf Bild- und Grafikträgern den subjektiven Kontrast der Hauptelemente mehr oder weniger stark beeinflussen.

Zusammenfassung
Die Vorteile der sieben Farbkontraste nach Johannes Itten für Ihre Marketingkommunikation lassen sich abschließend wie folgt aufzeigen:
- Farbe-an-sich-Kontrast: intensive Farbwirkung dank drei kombinierter Grundfarben oder Sekundärfarben
- Komplementärkontrast: zwei Komplementärfarben wie Blau und Gelb erregen Aufmerksamkeit
- Hell-Dunkel-Kontrast: der Schwarz-Weiß-Kontrast sorgt für Sichtbarkeit, beispielsweise gute Lesbarkeit
- Qualitätskontrast: Farben leuchten noch stärker in Kombination mit getrübten Farbtönen
- Quantitätskontrast: Gefühl der Spannung und des Ungleichgewichts durch eine flächenmäßig dominierende Farbe
- Kalt-Warm-Kontrast: warme und kalte Farben erzeugen in Kombination Perspektive
- Simultankontrast: optische Täuschung, bei der eine Farbe je nach Umgebung heller, dunkler, wärmer oder kälter erscheint