Serifenlose Schrift: Wissenswertes und die schönsten Fonts

Erfahren Sie, was serifenlose Schriften auszeichnet, wo Gestaltende sie einsetzen und für welche Anwendungen Serifenschriften besser geeignet sind. Außerdem: Die schönsten serifenlosen Schriften für Ihr nächstes Projekt.

Beispiel für eine serifenlose Schrift: Sans Serif, Slogan: "Einfach. Modern. Freundlich."
Beispiel für eine serifenlose Schrift: Sans Serif, Slogan: "Einfach. Modern. Freundlich."
Inhalt:

Was sind serifenlose Schriften?

Die Herkunft des Wortes „Serife“ geht dem Duden nach auf das niederländische Wort „schreef“ zurück, das auf Deutsch mit Strich oder Linie übersetzt wird. Unter Serife versteht man in der Typografie einen kleinen Buchstabenstrich, der quer zur Grundrichtung der eigentlichen Buchstabenlinie verläuft und den Buchstaben dadurch am oberen oder unteren Ende abschließt.

Ein Buchstabe in Serifenschrift besitzt also Füßchen oder Anstriche, welche ein Buchstabe in serifenloser Schrift nicht aufweist. Eine Schriftart ohne Serifen wird auch Grotesk-Schrift oder Sans Serif genannt. Letztere Bezeichnung kommt aus dem Französischen. „Sans“ bedeutet im Deutschen „ohne“.

Vergleich: der Buchstabe "A" mit Serifen (auf Hellblau) und ohne Serifen (auf Grün)
Der Buchstabe A mit und ohne Serifen im Vergleich.

Auch von „serifenloser Linear-Antiqua“ ist im Zusammenhang mit serifenlosen Schriften häufig die Rede. Antiqua ist der Name einer Hauptschriftgruppe, unter der rundbogige Schriften römischen Ursprungs zusammengefasst werden. Der Begriff „Linear“ kennzeichnet Schriften mit keinen oder nur sehr geringen Strichstärkenunterschieden innerhalb der Buchstaben.

Ursprung und Geschichte der serifenlosen Schriften

Schon in der Antike wurden Großbuchstaben ohne Serifen bei Münzprägungen verwendet. Im Mittelalter fanden serifenlose Schriften vermehrt Gebrauch, zum Beispiel bei der Gestaltung von Schmuckbuchstaben am Anfang von Buchkapiteln, auf Stempeln, bei Hausinschriften und nach wie vor auf Münzen. In der Neuzeit gewannen serifenlose Schriften besonders im Zuge der Industrialisierung als sogenannte „Industrie-Schriften“ für die einfache Beschriftung von Schildern und Maschinen zunehmend an Popularität.

"The AMAZING! Alphabet" in serifenloser Schrift, im Stil eines Plakats der Industrialisierung
Gut lesbar und praktisch im Alltag: serifenlose Schriften im Stile der Plakate zur Zeit der Industrialisierung.

Auch im Bereich der Werbung gewannen serifenlose Schriften an Bedeutung. Als Meilenstein im Anzeigendruck zählte die Akzidenz-Grotesk, eine serifenlose Schrift für Werbebotschaften, die 1898 von der H. Berthold AG ins Leben gerufen wurde. Sie fungierte über ein halbes Jahrhundert später wiederum als Vorlage für die Helvetica des Schweizer Grafikers Max Miedinger. Aber auch wissenschaftliche Publikationen bedienten sich nun immer häufiger den Grotesk-Schriften.

Vergleich der serifenlosen Schriftarten Helvetica Bild und Akzidenz Grotesk Black
Die Akzidenz-Grotesk hat das Aussehen der Helvetica maßgeblich beeinflusst.

In den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwarfen das Bauhaus von Walter Gropius und verschiedene Typografen wie Rudolf Koch überaus expressive Alternativen zur klassischen Serifenschrift. Heute werden serifenlose Schriften häufig für die Gestaltung von mobilen Apps und Webseiten verwendet, da sie auch auf kleinen Bildschirmen mit geringer Auflösung eine gute Lesbarkeit gewährleisten. Für Beschilderungen und Wegweiser sind serifenlose Schriften ebenfalls gut geeignet.

Typografische Klassifikation

Nach der Norm DIN 16518 des Deutschen Instituts für Normung werden serifenlose Schriften der Gruppe „Serifenlose Linear-Antiqua“ zugeordnet. Diese Schriften wiederum werden von Fachleuten häufig in Untergruppen unterteilt. Hierbei gibt es verschiedene Herangehensweisen, zum Beispiel die Unterteilung in die folgenden vier Untergruppen:

  1. humanistische Schriften: Runde Schriftarten, die an das Schreiben mit der Hand erinnern. Beispiele hierfür sind Meta, Syntax oder Gill Sans.
  2. geometrische Schriften: Schriften, die eher einen konstruierten, formalen Charakter aufweisen und daher ein kühles, distanziertes Ambiente schaffen. Typische geometrische Schriften sind zum Beispiel Bauhaus, Futura und Avant Garde.
  3. klassizistisch inspirierte Schriften, auch statische Schriften genannt: Schriften mit statischem Schriftbild, abgeleitet von den klassizistischen Antiqua-Schriften mit senkrechter Symmetrieachse, zum Beispiel Univers oder Helvetica.
  4. amerikanische Schriften: Schriftarten im typisch amerikanischen Stil ohne Serife, beispielsweise Franklin Gothic, News Gothic oder Vectora. Typisches Kennzeichen sind große Mittellängen.

Vier Untergruppen der serifenlosen Linear-Antiqua im Vergleich:

Die Schriftart Gill Sans als Beispiel für eine serifenlose Schrift mit Deko-Pfeil auf Hellblau
Die Schriftart Futura als Beispiel für eine serifenlose Schrift mit Deko-Linie auf Hellblau
Die Schriftart Helvetica als Beispiel für eine serifenlose Schrift mit Deko-Pfeil auf Hellblau
Die Schriftart Franklin Gothic als Beispiel für eine serifenlose Schrift mit Deko-Linie auf Hellblau

Wirkung und Verwendung serifenloser Schriften

Fans der Serifenschrift argumentieren oft mit deren guter Lesbarkeit:

  • Das ist durchaus richtig, denn der einzelne Buchstabe wird durch Serifen deutlicher abgegrenzt.
  • Des Weiteren ist es in längeren Fließtexten für das Auge angenehm, sich an den klaren Linien der unteren Serifen (Füßchen) orientieren zu können, um nicht in den Zeilen zu verrutschen.
  • Daher werden im Bereich des Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftendrucks – abgesehen von den Überschriften – fast ausschließlich Serifenschriften verwendet, wie zum Beispiel Garamond oder Times New Roman.

Andererseits sind auch viele Druckschriften ohne Serifen sehr gut lesbar und haben ihren festen Platz in der Welt der Typografie. Und zwar überall da, wo ein Design in Serifenschrift zu langweilig oder gar altbacken wirken würde:

  • Es macht durchaus Sinn, wenn eine renommierte Anwaltskanzlei oder eine Arztpraxis via Serif-Schrift mit Klienten und Patienten kommuniziert.
  • Ein junges Consulting-Unternehmen, das Dynamik und Modernität vermitteln möchte, sollte stattdessen für seine schriftlichen Inhalte besser auf eine serifenlose Schriftart wie Futura oder Arial zurückgreifen.

Viele Webdesignerinnen und Webdesigner sind darüber hinaus der Ansicht, dass ein Buchstabe ohne Serife am Bildschirm besser lesbar ist, da eine schnörkellose, schlicht gehaltene Typografie mit minimalistischen Linien den Kontrast verbessert:

  • Deshalb wird für Internetseiten und Webcontent meist eine Schrift Sans Serif verwendet. In Zeiten von immer hochauflösenderen Displays ist dies als Grund jedoch zweitrangig geworden.
  • Auch bei Texten, die aus großer Entfernung gelesen werden, sind serifenlose Schriften häufig die bessere Wahl – zum Beispiel auf Bannern oder Verkehrsschildern.

Im Corporate Design zählt vor allem, wie das Unternehmen auf die Öffentlichkeit wirken möchte. Die Tendenz geht zwar immer mehr in Richtung serifenlose Schriften, jedoch halten viele alteingesessene Unternehmen bewusst an ihrem Logo mit Serifen-Font fest.

So hat Google seit seiner Gründung beispielsweise den Schriftzug des Unternehmens geändert, während Mercedes-Benz oder Rolex ihre ursprünglich gewählte Schriftart mit eleganter Serife beibehalten. Denn verschiedene Schriftarten vermitteln verschiedene Botschaften: Google möchte mit der Zeit gehen. Rolex wird hingegen oft mit Tradition, Eleganz und Wertstabilität in Zusammenhang gebracht.

Die Klassiker unter den Grotesk-Schriften

Sehr häufig genutzte und überaus bekannte Schriftarten ohne Serifen sind zweifellos Helvetica und Arial. Andere Schriften, die weiterhin gerne verwendet werden:

  • Calibri
  • Verdana
  • Helvetica
  • Gill Sans
  • Univers

Die schönsten serifenlosen Fonts

Sie suchen nach einer besonders schönen Schrift ohne Serifen?

  • Font-Sammlungen gibt es online beispielsweise bei Google Fonts oder auf anderen Free-Font-Seiten.
  • Häufig heruntergeladene serifenfreie Fonts sind beispielsweise Open Sans, Roboto und Montserrat.

Hinweis: Bitte berücksichtigen Sie die Schriftlizenz-Vorgaben der jeweiligen Download-Plattform, bevor Sie eine Schriftart für Ihr Projekt verwenden.

Open Sans steht zehn Jahre nach der Erstellung noch immer ganz oben auf der Liste der Web-Schriftarten, und zwar aufgrund der zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten und guten Lesbarkeit.

Roboto wurde speziell für digitale Verwendungen entwickelt und eignet sich daher für Apps und Websites.

Montserrat funktioniert aufgrund ihrer großen x-Höhe (Höhe der Kleinbuchstaben) und der guten Lesbarkeit sehr gut bei Fließtexten, ist aber auch für Überschriften geeignet.

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