Was sind Serifen?
Serifen sind Anfangs- und Endstriche von Buchstaben und zeigen sich beispielsweise in Form von dünnen Linien oder Häkchen. Statt Serifenschrift wird oft auch der Begriff Antiqua verwendet. Dieser steht zugleich für den Namen der übergeordneten Schriftgattung. Eine der bekanntesten Serifenschriften ist die Times New Roman.
Arten und Formen von Serifen
In der Typografie unterscheidet man zwischen verschiedenen Serifenarten – abhängig davon, wo die Serife den Strich einer Glyphe (eines Schriftzeichens) abschließt:
- Dach(ansatz)serifen
- Kopfserifen
- Querserifen
- Standserifen
- Abschlussserife

Welche Serifenschriften gibt es?
Serifenschriften unterteilen sich in folgende Hauptschriftgruppen:
- Antiqua (Serif): Schriften mit Serifen
- Egyptienne (Slab Serif): Schriften mit stark betonten Serifen
Beide gehören zur Schriftgattung Antiqua. Unter Antiqua werden rundbogige Schriften römischen Ursprungs zusammengefasst. Neben Antiqua (Serif) und Egyptienne (Slab Serif) gehört auch die Schriftgruppe Grotesk dazu, allerdings handelt es sich bei Grotesk-Schriften um serifenlose Schriften.
Antiqua mit Serifen
In der Hauptschriftgruppe Antiqua (Serif) sind verschiedene Schriften beheimatet. Die bekanntesten Untergruppen:
- französische Renaissance-Antiqua
- venezianische Renaissance-Antiqua
- vorklassizistische Antiqua
- klassizistische Antiqua
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Serifenformen in den Untergruppen kaum. Nur wer genauer hinsieht, entdeckt charakteristische Unterschiede im Design. Während die Serifenstärke bei der klassizistischen Antiqua sehr fein ist, ist sie etwa bei der venezianischen Antiqua normal ausgeprägt. Bei der vorklassizistischen Antiqua ist der Serifenübergang rund, bei der klassizistischen Antiqua eckig.

Egyptienne mit betonten Serifen
Die Hauptschriftgruppe Egyptienne zeichnet sich durch stark betonte, teils blockartige Serifen aus. Egyptienne-Schriften werden auch Slab Serif oder serifenbetonte Linear-Antiqua genannt und kamen Anfang des 19. Jahrhunderts in England auf, als Werbetreibende die ideale Schrift für die Überschriften auf Plakaten und Flugblättern suchten. Auch bei der Egyptienne gibt es verschiedene Untergruppen wie etwa Clarendon oder Italienne.

Strichstärkenunterschiede
Schriften mit Serifen sind im Gegensatz zu serifenlosen Schriften häufig durch Strichstärkenunterschiede gekennzeichnet. Die Unterschiede sind – abhängig von Schriftklasse und Untergruppe – mehr oder weniger stark ausgeprägt. Egyptienne-Schriftarten beispielsweise weisen häufig eine gleichmäßige Strichstärke innerhalb des Zeichens auf.

Woher kommen Serifen?
Wie sich Serifenschriften entwickelten, ist nicht abschließend geklärt. Eine häufig zitierte Theorie geht davon aus, dass Serifen entstanden, als im Römischen Reich Buchstaben mit Hammer und Meißel in Stein gehauen wurden. Da sich glatte Strichabschlüsse schwierig gestalteten, bildeten sich Serifen als Ausläufer. Eine andere Theorie: Serifen entstanden beim Ausholen mit dem Pinsel beim Zeichnen von Buchstaben.
Wie wirken Serifenschriften?
Die gewählte Schriftart beeinflusst maßgeblich, wie ein Text wirkt. Daher sollte das Design unbedingt zu Ihren Kommunikationszielen passen. Oft werden Serifen mit Begriffen wie „Professionalität“, „elegant“ und „Erfahrung“ verbunden. Doch auch Beschreibungen wie „streng“, „distanziert“ oder „altmodisch“ mögen Ihnen in den Sinn kommen. Verallgemeinern möchten wir die Wirkung von Serifenschriften nicht. Zudem ist Serifenschrift nicht gleich Serifenschrift, wie das folgende Beispiel zeigt:

Lesbarkeit von Serifenschriften
Verschiedene Tests haben gezeigt, dass Lesende gedruckte, lange Texte in Serifenschrift schneller erfassen. Denn die Serifen bieten dem Auge beim Lesen Halt und machen es leichter, die Buchstaben miteinander zu verbinden. Deshalb greifen fast alle Zeitungen sowie viele Zeitschriften und Bücher auf Serifenschriften zurück – vielleicht ist Ihnen das im Alltag schon aufgefallen. Grundlegend hängt die Lesbarkeit einer Schriftart aber von verschiedenen Faktoren ab.
Serif-Fonts sind in folgenden Fällen schlechter lesbar:
- sehr kleine Schriftgrößen: Die kleinen Querstriche verschwimmen vor den Augen und erschweren das Lesen.
- Apps und Webseitentexte: Durch niedrig aufgelöste Bildschirme können Serifenschriften pixelig und schwer lesbar sein. Allerdings sind zahlreiche Serif-Fonts speziell für Bildschirme entwickelt worden – etwa die Schriftart Georgia von Microsoft. In Zeiten von immer hochauflösenderen Displays rückt die Frage daher zunehmend in den Hintergrund. Welche Schriftart die geeignetste ist, entscheiden also auch im Online-Bereich am besten Sie als Designerin oder Designer.
- Schilder und Werbetafeln: Vor allem bei Texten, die aus sehr weiter Entfernung gut lesbar sein sollen, bietet sich der Einsatz von serifenlosen Schriften an.
Fazit: Wann Serifenschriften nutzen?
Letztendlich liegt es im Ermessen des Gestaltenden, ob Sans Serif oder Serif die beste Wahl ist. In jedem Fall sollte die Entscheidung stark mit der Wirkung zusammenhängen, die Ihr Text erzielen soll.

Als Faustregel gilt: Bei längeren, gedruckten Texten mit ausreichend großem Schriftgrad sollten Sie Serifenschriften zumindest in Erwägung ziehen. Auch wenn Sie mit Ihren Texten besondere Autorität ausstrahlen möchten, bieten sich Serifenschriften an. Dies ist einer der Gründe dafür, warum Serifenschriften oft in Bachelorarbeiten oder anderen wissenschaftlichen Texten zum Einsatz kommen. Pauschal lässt sich die Frage jedoch nicht beantworten.
Tipp: Je nach Textgattung und Einsatzgebiet kann es sich lohnen, auf eine Mischung zu setzen. Verfassen Sie das Intro eines Magazintextes doch mal in einer serifenlosen Schriftart und den Fließtext in einer Serifenschrift!
Die 5 schönsten Serifen-Schriftarten (Webfonts)
Welche Schrift passt zu Ihrem Projekt? Unsere Grafikerinnen und Grafiker haben für Sie ihre fünf liebsten Serifenschriften herausgesucht. Wir wünschen viel Spaß beim Gestalten!
Hinweis: Bitte berücksichtigen Sie die Schriftlizenz-Vorgaben der jeweiligen Download-Plattform, bevor Sie eine Schriftart für Ihr Projekt verwenden.