Was ist ein Schriftgrad?
Im Umgang mit Grafikprogrammen legen wir regelmäßig Schriftgrößen fest. Doch wie werden sie eigentlich gemessen?
Schriftgrößen (auch Schriftgrade genannt) definieren sich anhand eines typografischen Maßsystems. Dieses misst nicht in Millimetern oder Zentimetern, sondern in Punkt. In der Typografie bildeten sich über die Zeit verschiedene Punkt-Maßsysteme heraus, etwa der Fournier-Punkt, der Didot-Punkt, der Pica-Punkt und der DTP-Punkt.
In der computerunterstützten Gestaltung wird der DTP-Punkt (pt) heute als Standard gehandelt. Er ist auch unter dem Namen PostScript-Punkt bekannt und wurde vom Hersteller Adobe entwickelt.
1 DTP-Punkt = 0,353 mm
Warum sind Schriften trotz identischem pt-Wert nicht immer gleich groß?
Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass zwei Schriftarten unterschiedlich groß wirken können – und das, obwohl Sie bei beiden dieselbe pt-Zahl im Grafikprogramm eingestellt haben. Dies kann verschiedene Gründe haben:
Ausnutzung der Kegelhöhe
Der Begriff Kegel stammt aus dem Bleisatz. Ein Kegel hat die Form eines Quaders und trägt das zu druckende Zeichen, das sogenannte Schriftbild. Um das Schriftbild herum befindet sich ein Leerraum, der nicht gedruckt wird. Ihn bezeichnet man im Buchdruck als „Fleisch“ oder „Punze“.
Wer eine Schrift gestaltet, entscheidet selbst, wie gut sie oder er die Kegelfläche ausnutzt. Größer wirkende Fonts nutzen den Kegel besser aus als kleine; der Anteil des Fleischs ist geringer. Digitale Schriftarten können sogar über den Kegel hinausragen. Daraus ergeben sich auffällige Differenzen in der Darstellung verschiedener Schriften.


Proportionen der Schriftart
Zwei Schriftarten können sich bei gleichem Schriftgrad hinsichtlich ihrer Größenwirkung unterscheiden. Hier spielen die Proportionen zwischen Mittellänge (auch x-Höhe genannt), Oberlänge und Unterlänge eine Rolle.
Die Unterlänge ist bei Buchstaben wie y oder p zu sehen, die Oberlänge bei hoch hinausragenden Lettern wie f, k, oder t. Die Mittellänge beschreibt den mittleren Teil eines Kleinbuchstabens. Schriftarten mit einer besonders großen Mittellänge wirken tendenziell größer. Wenn Sie eine Schriftgröße für einen Text festlegen, sollten Sie diesen Effekt bedenken.

Schriftgrößen umrechnen
Angenommen, Sie möchten eine Schriftart von cm in pt umrechnen. Am schnellsten geht das mit einem der kostenlosen Rechner im Internet. Sollten Sie manuell messen wollen, greifen Sie auf ein sogenanntes Typometer zurück. Bedenken Sie bei der Gestaltung aber unbedingt die Größenunterschiede der verschiedenen Schriftarten.
Wovon hängt die richtige Schriftgröße ab?
Wer selbst Druckprodukte gestaltet, steht unweigerlich vor der Frage: Welchen Schriftgrad verwende ich? Pauschal ist das nicht zu beantworten. Denn bei der Wahl der Schriftgröße spielen viele Faktoren eine Rolle, darunter zum Beispiel:
- der Betrachtungsabstand zum Text
- der Platz, der für den Text zur Verfügung steht
- die Sehschärfe der Betrachtenden
- der Zeilenabstand
- formale Vorgaben, etwa bei einer Hausarbeit
- die gewählte Schrift (z. B. Serifenschrift vs. serifenlose Schrift)
Übrigens: Auch die DIN 1450 beschäftigt sich mit dem Thema Schriftgrößen. Denn Schriftgrade können auch relevant für die Sicherheit sein – denken Sie nur an wichtige Beschilderungen oder die Lesbarkeit von Schriftgrößen in Beipackzetteln von Medikamenten.


Welcher Schriftgrad für welches Werbemittel?
Doch was bedeutet das nun für den Berufsalltag? Generell gilt: Die ideale Schriftgröße ist von der Zielgruppe, dem persönlichen Empfinden des Gestaltenden und dem allgemeinen Design der Drucksache abhängig. Pauschale Auskünfte – auch für gängige Druckprodukte – sind mit Vorsicht zu genießen. Einige Tipps können dennoch bei der Entscheidung helfen.
Schriftgröße von Plakaten
Welche Schriftgröße für Plakate und Poster angemessen ist, kommt auf den Einzelfall an und hängt unter anderem vom Format und dem Einsatzort ab. Grundsätzlich gelingt die Wahl der passenden Schriftgröße mit zunehmender Erfahrung immer leichter. Als Faustregel empfehlen viele Expertinnen und Experten, dass die kleinstmögliche Schriftgröße fünf Prozent der Plakathöhe ausmachen sollte. Bei einem DIN-A0-Plakat im Hochformat entspricht dies einem Schriftgrad von 59,45 mm beziehungsweise 169 pt.
Unsere Grafikabteilung legt Gestaltenden zudem nahe, Zeilenabstand und Laufweite auf Plakaten anzupassen. So wirken Wörter größer und sind aus der Ferne besser lesbar.
Schriftgröße bei Briefen und Anschreiben
In der Geschäftskorrespondenz gibt die DIN 5008 Richtlinien für die optimale Größe der Schrift vor. Auch die Position von Briefkopf und Anschriftenfeld regelt die Norm genau.
Demnach sollte der Fließtext bei Geschäftsbriefen oder Bewerbungen nicht kleiner als 10 pt sein, damit man ihn gut lesen kann. Besser sind oft 11 pt oder 12 pt.

Schriftgröße auf Visitenkarten
Auf Visitenkarten reicht ein Schriftgrad von 7 pt bei einem Format von 90 x 50 mm im Regelfall völlig aus.
Schriftgröße auf Flyern
Die Schriftgröße für Ihren Flyer wählen Sie am besten unter Berücksichtigung Ihrer Zielgruppe. Sprechen Sie ältere Menschen an, kann große Schrift entscheidend sein, damit die Leserschaft Ihre Botschaft schnell erfasst. Meist reicht allerdings eine Fließtextgröße von 10 pt aus.
Faustregel für Überschriften: Verdoppeln Sie den pt-Wert des Fließtextes. Je nach gewünschter Kontrastwirkung kann auch eine Verdreifachung stilvoll wirken.