Was sind Ligaturen?
Als Ligatur bezeichnet die Typografie die Verschmelzung von zwei oder mehr Buchstaben zu einer eigenen Glyphe, also einem eigenständigen Zeichen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „ligare“ (= „binden“) ab.
Ligaturen haben das Ziel, optische Lücken im Schriftbild zu vermeiden, um die Leserlichkeit des Textes zu verbessern. Sie finden sich meist im Printbereich, sind aber auch im Webdesign möglich. Orthografisch vorgeschrieben ist der Einsatz von Ligaturen in der deutschen Sprache nicht.

Ligaturen damals und heute
Ligaturen dienen in der Kalligrafie vor allem dem Zweck, schneller zu schreiben, da das Schreibgerät seltener abgesetzt werden muss. Klassischerweise findet der Begriff Ligatur jedoch in Zusammenhang mit dem Druckwesen Verwendung. Im Bleisatz verfügten Ligaturen über ein eigenes Fach im Setzkasten: Für Buchstabenkombinationen, die unterschnitten werden mussten, platzierten Schriftsetzerinnen und -setzer die zugehörigen Buchstaben gemeinsam auf demselben Schriftkegel. Andernfalls hätte der Abstand zwischen den Zeichen im Druck eine unschön große Lücke dargestellt.
Im digitalen Zeitalter sind Ligaturen technisch nicht mehr notwendig – das Prinzip funktioniert jedoch nach wie vor ähnlich wie im Bleisatz, denn auch auf einem digitalen Schriftkegel können mehrere Schriftzeichen zu einer Glyphe vereinigt sein. Mehr zum Thema Schriftkegel erfahren Sie in unserem Blogbeitrag zum Thema Schriftgrößen.

Übrigens: Das Et-Zeichen (-&) ist auch bekannt als Kaufmanns-Und beziehungsweise ampersand und zählt ebenfalls zu den Ligaturen. Hier ist die Buchstabenverschmelzung so eng, dass die ursprünglichen Bestandteile -e und -t nicht mehr als solche zu erkennen sind.
Arten von Ligaturen
Ligaturen als typografische Buchstabenverbindungen lassen sich in verschiedene Arten unterteilen:
Kollisionsligatur

Eine Kollisionsligatur kommt zum Einsatz, wenn das Zusammentreffen von Buchstaben die Leserlichkeit beeinträchtigen kann, zum Beispiel beim Wort „Walfisch“. Die fi-Ligatur ist in der deutschen Sprache besonders bekannt. Weitere Beispiele für Kollisionsligaturen sind die Verbindungen -fl, -ff, -ffl, -ft und -fft. Bei gebrochenen Schriften sind unter anderem die Ligaturen -tz oder -ch gängig.
Schmuckligatur/bedingte Ligatur
Eine Schmuckligatur ist dekorativer Natur – sie dient dazu, das Schriftbild spannender zu gestalten. In Layoutprogrammen lassen sich diese Zierligaturen häufig mit dem Befehl „bedingte Ligaturen“ erstellen. Beispiele für Schmuckligaturen sind die Verbindungen -ck, -sp und -st in vielen Schriften.

Orthografische Ligatur

Während die Kollisionsligatur und die Schmuckligatur zu den typografischen Ligaturen zählen, erfüllen orthografische Ligaturen einen sprachlichen Nutzen. Beispiele sind das -œ im französischen Wort „cœur“ (= „Herz“) oder das -æ im norwegischen und dänischen Wort „lære“ (= „lernen“). Diese Art von Ligatur lässt sich nicht einfach auflösen, da die verbundenen Zeichen als eigenständiger Buchstabe des Alphabets gelten. Auch das in Österreich und Deutschland übliche Eszett (-ß) geht vermutlich auf eine Ligatur zurück, ist aber heute Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.
Vorteile und Nachteile von Ligaturen
Sie sind sich nicht sicher, ob Sie Ligaturen in Ihren Layouts verwenden sollten? Wie bei vielen gestalterischen Themen gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Abgesehen von orthografischen Ligaturen ist der Einsatz der Buchstabenverbindungen freiwillig – und mit Vorteilen und Nachteilen verbunden.
Für die Verwendung von Ligaturen spricht zum Beispiel:
- Ligaturen können den Lesefluss verbessern, da sie Wortfugen verdeutlichen.
- Die Verschmelzung von Buchstaben harmonisiert das Schriftbild.
- Mit Ligaturen kann die Textdichte erhöht werden.
- Um ästhetische Highlights zu setzen, eignen sich Ligaturen hervorragend.
Kritikerinnen und Kritiker von Ligaturen führen hingegen an, dass …
- … nicht jede Schriftart über typografische Ligaturen verfügt.
- … ein Schriftbild durch Ligaturen auch unruhiger wirken kann.
- … die Ligaturen im Webdesign zu längeren Ladezeiten führen können.
- … ihr Einsatz aufwendig ist, unter anderem aufgrund von sprachlichen Richtlinien.

Richtlinien beim Satz von typografischen Ligaturen
Doch wann verwendet man eigentlich Ligaturen und wann nicht? Das Setzen von typografischen Ligaturen folgt keinen festen Regeln. Jedoch gibt es Grundsätze, an denen sich Schriftsetzerinnen und Schriftsetzer orientieren:
- In zusammengesetzten Wörtern setzt man keine Ligatur über die Wortfuge hinweg. Das Wort „Kaufläche“ („Kau-fläche“) kann mit fl-Ligatur geschrieben werden, „Kaufladen“ („Kauf-laden“) hingegen nicht.
- Über Silbengrenzen hinweg wird generell auf Ligaturen verzichtet. Andernfalls kann es zu fehlerhaften Worttrennungen kommen.
- Bei gesperrtem Text sollten Sie Ligaturen für gewöhnlich auflösen – das heißt, wenn Sie beim Satz die Laufweite erhöhen.
- Bei Beugungsendungen (z. B. -te) sowie Endsilben (z. B. -lich) kommt keine Ligatur zum Einsatz. Ausnahme der Regel sind Nachsilben, die mit -i beginnen.

Ligaturen in Adobe InDesign aktivieren und deaktivieren
In Layoutprogrammen können Sie über die Verwendung von Ligaturen selbst entscheiden. Bei Adobe InDesign aktivieren Sie Ligaturen einer Schrift beispielsweise wie folgt:
- Gehen Sie auf die „Zeichen“-Palette.
- Wählen Sie aus dem Drop-down-Menü rechts oben „Ligaturen“ aus.
- Um Ligaturen abzuschalten, entfernen Sie einfach das Häkchen neben „Ligaturen“.
Vorsicht: Layoutprogramme wie Adobe InDesign sind nicht unbedingt in der Lage, die oben genannten Richtlinien zuverlässig umzusetzen. Deshalb sollten Sie automatisch erzeugte Ligaturen immer prüfen – oder sie direkt manuell setzen.

Zudem besitzt nicht jeder Schriftsatz Ligaturen. Einen Überblick über die verfügbaren Ligaturen bietet die Glyphen-Palette. Diese finden Sie unter: Schrift ➝ Glyphen.

Fazit: Best Practices für den Einsatz von Ligaturen
Sind Ligaturen sinnvoll oder nicht? Die Antwort lautet Jein, denn es ist schwierig, von Ligaturen im Allgemeinen zu sprechen. Ob ihr Einsatz empfehlenswert oder sogar notwendig ist, hängt von der Art der Ligatur ab. Nicht zuletzt spielen die gewünschte Schriftart und persönlicher Geschmack eine Rolle. Die Frage der besseren oder schlechteren Leserlichkeit ist ebenfalls nicht pauschal zu beantworten, da diese auch von anderen Faktoren wie Strichstärke, Schriftgröße oder Kontrast abhängt. Letztendlich bleibt es also Gestalterinnen und Gestaltern überlassen, wie sie mit Ligaturen umgehen.